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Unsere geliebte politische Korrektheit (political correctness, PC)
«Die Idee der politischen Korrektheit verbietet bestimmte Themen, bestimmte Ausdrücke, sogar bestimmte Gesten. Was als ein Kreuzzug für die Höflichkeit begann, ist nun zum Auslöser von Konflikten und Zensur geworden.»
George H.W. Bush, 43. Präsident der USA
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, wenn nicht anders angegeben.
Politisch korrekt sein oder nicht sein, das ist die Frage.
(Shakespeare hätte es so gesagt: Not to be or to be politically correct, that is a question of to be or not to be.)
Politische Korrektheit ist vorauseilende Selbstzensur geistiger Sklaven; wo sie beginnt, ist freier Geist am Ende. Politische Korrektheit und Mündigkeit des Menschen passen meines Erachtens nicht zusammen.
Sich politisch korrekt auszudrücken heisst, sich entsprechend einer aktuell definierten oder verordneten Gültigkeit auszudrücken, unabhängig davon, ob diese objektiv wahr ist oder nicht (siehe Wiesel, unten).
Politisch korrekt sein heisst angepasst sein. Und vielleicht ein bisschen feige. Ein Gutmensch jedenfalls oder einer, der sich als das ausgibt.

Ich höre nichts, ich sehe nichts, ich sage nichts. – Die politische Korrektheit macht den Menschen zum Affen. (Achtung, diese Aussage ist politisch unkorrekt, weil diskriminierend für die Affen.)
Der Zwang zur politischen Korrektheit macht also unfrei, quasi politisch impotent, unabhängig davon, ob sie mit Mitteln der Gewalt durchgesetzt wird (durch Behörden, Gerichte usw.), durch Gruppendruck oder Selbstzensur.
Die Politische Korrektheit kann als Terrorinstrument gegenüber Andersdenkenden eingesetzt werden. Mit ihrer Hilfe wird nicht genehmes Andersdenken unterdrückt – typisch für Staaten mit Gewaltregimes und Gedankenpolizei, aber heute auch sehr verbreitet in ganz normalen Demokratien (Deutschland, USA, Schweiz, …), zum Beispiel in bezug auf die dümmliche Umformung der (deutschen) Sprache mit dem Zweck, sie geschlechtsneutral zu sterilisieren (Sprache ist geschlechtsneutral, aber es gibt sogar Leute, die das Neutrum «man» dem Manne zuschreiben und als Alternative «frau» fordern – Dummheit kennt keine Grenzen). Oder das Hinterfragen von offiziell anerkannten geschichtlichen Wahrheiten, deren Wahrheitsgehalt nicht einmal wissenschaftlich erforscht werden darf – unter Androhung von Gefängnis und Ächtung, zum Beispiel in Deutschland (welches seine Auffassungen der ganzen EU aufzwingen will, bislang aber damit noch nicht durchdringen konnte).
Das ist zum Beispiel dem Chemiker Germar Rudolf in Deutschland passiert («Rudolf-Gutachten»). Über ihn steht in Wikipedia, er sei ein Rechtsextremer und Antisemit, er habe auf pseudowissenschaftliche Weise Zweck und Funktionsweise der Gaskammern in Auschwitz untersucht … nur ist die Wissenschaftlichkeit seines Arbeitens nicht von seriösen Fachkollegen verworfen worden, sondern von Leuten, die solche Wikipedia-Artikel verfassen, und vor allem von der deutschen Justiz, welche Rudolf 2007 im Knast hat verschwinden lassen, wegen seiner politisch nicht korrekten Forschungen. Ob die Erkenntnisse von Rudolf zutreffend sind oder nicht, ist hier nicht die Frage. Ob in einer «Demokratie», einem «zivilisierten, freiheitlichen» Staat, Forschung in einer historischen Sache grundsätzlich möglich sein darf oder nicht, das hingegen ist eine zentrale Frage. Oder leben wir hier in Nordkorea, Myanmar oder Libyen? – Der Direktor der jüdischen Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam, Hans Westra, soll im belgischen Fernsehen gesagt haben: «Die wissenschaftlichen Analysen des Rudolf-Gutachtens sind perfekt.» «Panorama», 27. April 1995.
Für eine angemessene Ausdrucksweise, die den andern als Menschen achtet, braucht es keine politische Korrektheit, das heisst Drohung und Zwang, sondern Anstand – Seelenbildung. So sollte es selbstverständlich sein, dass man einen dunkelhäutigen Menschen nicht abschätzig «Nigger» ruft. Sollte dieser Mann mit Drogen handeln (was leider viele unserer «farbigen Gäste» bei uns tatsächlich tun), so kann man ihn «Arschloch» rufen, aber nicht Nigger. Für seine schwarze Hautfarbe kann er erstens nichts, ein weisser Mensch ist zweitens nicht automatisch ein besserer Mensch (wie die Geschichte nur zu deutlich zeigt), und mit Drogen handeln drittens auch gelbe und weisse Arschlöcher.
Die Entwicklung des Wortes «Neger» (sp. negro, fr. nègre, von ursprünglich lat. niger für schwarz) zu «Schwarzen» und dann «Farbigen» finde ich einigermassen lächerlich, heuchlerisch – wie so vieles im Zusammenhang mit der politischen Korrektheit; wo liegt bei diesem Beispiel der Unterschied zwischen den drei Bezeichnungsarten – Bezeichnung eines Menschen nach immer demselben äusserlichen Merkmal, seiner Hautfarbe? Mit dem Buch: «Ich, der Neger. Mein Leben zwischen Highlife und Pleiten» schlägt Urs Althaus, dieser überflüssigen Diskussion ein Schnippchen, und niemand kann ihn, den Neger, dafür belangen (ISBN-10:3-03763-006-XEAN. November 2009, Wörterseh Verlag) – sowenig wie unsere Political-correctness-Wächter einen Juden belangen können, der zu Antisemitismus oder Holocaust politisch nicht korrekte Aussagen macht, zum Beispiel so: «Bolschewismus und Stalin, der viel mehr unschuldige Menschen und Juden umgebracht hat als Hitler im Zweiten Weltkrieg, scheinen fast vergessen, wohl weil sich diese Verbrechen nur schlecht instrumentalisieren lassen, um mit ihnen Geschäfte zu machen.» Moishe Arye Friedman, Oberrabbiner von Wien, FAZ, Leserbriefe, 19. Januar 2005, Seite 7. Hätte ein Deutscher diese Aussage gemacht, so wäre er ziemlich sicher wegen «Volksverhetzung» im Knast gelandet.
Elie Wiesel hat sich nach seinem Umzug nach Amerika, nach dem zweiten Weltkrieg, hauptberuflich dem Holocaust gewidmet – auch einem beliebten Objekt der politischen Korrektheit. Ein Zitat von ihm illustriert die Frage der politischen Korrektheit perfekt:
«Was schreibst du da?» fragte der Rabbiner.
«Geschichten», antwortete ich (Wiesel). – «Über Dinge die passierten, oder hätten passieren können.»
«Aber sie passierten nicht?»
«Nein, nicht alle. Tatsächlich waren einige davon erfunden, vom Anfang bis zum Ende.»
Der Rabbiner beugte sich nach vorn, als nehme er Mass an mir, und sagte, mehr traurig als ärgerlich: «Das bedeutet, dass du Lügen schreibst!»
Ich antwortete nicht sofort. Das gescholtene Kind in mir hatte nichts zu seiner Verteidigung zu sagen. Dennoch, ich musste mich rechtfertigen: «Die Dinge liegen nicht so einfach, Rabbiner. Manche Ereignisse geschehen, sind aber nicht wahr. Andere sind wahr, finden aber nie statt.»
In «Legends of Our Time» – Legenden unserer Zeit, von Elie Wiesel. Einleitung, S. viii, Schocken Books, New York, 1982.
Und noch das:
Anführungszeichen: in englischen Texten wird "so" angeführt, in deutschen »so«, in schweizerischen, französischen, italienischen, russischen Texten «so» und hier konsequent «so», unabhängig von der Sprache des Zitates – Anführungszeichen sind nicht Teil des Zitates. Im übrigen werden auf dieser Website keine «ß» verwendet, entsprechend den Regeln in der Schweiz. – Autoren alphabetisch:
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